Walter Wenghöfer                   

1877 – 1918                                                   In nächten da des mondes müdigkeit

Vergebens singt durch böse nebel-träume,

Da auf der dächer blaue schweigsamkeit

Vergessen fällt wie schatten toter bäume,

 

Da leise tönt des hauses hohle wand

Vom trüben takt der tiefen atemzüge

Und da vom stahl des lebens langsam schwand

Der blinde hauch des ekels und der lüge,

 

Da wird so leis der hoffnung räder-rinnen

So fern und leis und leis wie seidne säume

Am wunden fuss geschmückter pilgerinnen,

 

Die mit den schleppen schwerer bunter träume

Mühselig lächelnd wirr und halb von sinnen

Rastlos sich mühn in dämmerferne räume.

 

 

 

 

 

 

 

Walter Wenghöfer                    Café de L’enfer

1877 – 1918

In schmutz und müdigkeit verglüht das rot der wände

Und das gemalte gold vergilbt und bröckelt nieder,

Durch qualm und lärmen klirrt der lampen glasgeglieder

Und auf den tischen tasten fahle hände.

 

Und ein gespenstisches bild ist unterm glas lebendig:

Der strasse trüber rausch glüht durch die schwarzen scheiben,

Und stirnen, lächeln, gier, missmut, geflüster treiben

In dampf und lichtern lass und unbeständig.

 

Und vieler augen matt und schwer gesenkte lider

Erheben dennoch sich von zeit zu zeiten wieder:

Ob nichts den trüben lauf der stunden endlich ende.

 

Doch keine antwort wird dem zielentwöhnten schauen

Als nur der spiegel tiefes räumeloses grauen

Und die verschwiegenheit der immer gleichen wände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Walter Wenghöfer

1877 – 1918

Es ist nicht blässe jener sanften hände

Die meines spiegels eisenrand umreift,

Nicht blässe die ein krankes denken reift,

Und nicht der widerschein der grünen wände.

 

Vielleicht die blässe und vielleicht das ende

Der langen liebe die nicht mehr begreift

Und wild um die geborstnen lampen greift

Und schreit wie zierlich uns der teufel blende.

 

Es ist die blässe das nun alles starb –

Und dass im monde graue wasser scheinen

Und dass von diesen lippen leichenfarb

 

Kein schrei mehr gehen kann, kein leises weinen,

Dass meiner maske bild aus trübem zinn

Noch einsam fliesst und flüstert dass ich bin.

 

 

 

 

 

 

 

 

Walter Wenghöfer

1877 – 1918

Wir wollen leichten fusses dieser zeit

Entgehn mit ihren städten die zerfallen.

Lass uns den pfad gestrenger einsamkeit

Der mahnend sich zur höhe wendet wallen.

 

Er leitet uns auf rauher windung weit

Indes vom felsgrat schatten fallen.

Sand flisst ins meer und meer in dunkelheit –

Im letzten licht will unser schritt verhallen.

 

Hier ist die hütte! harzgetränkt das holz

Die sie uns heilsam und vertraulich macht.

Milchweisse hirsche liegen still und stolz

 

Und blaue cedern steigen in die nacht.

Tritt ein! Hier wollen wir zur späten

Lichtlosen ruhe stumm und lächelnd beten.

 

 

 

 

 

 

 

Walter Wenghöfer

1877 – 1918

Im frühen seidene behänge fallen.

Empor zur sonne schauen ernst und heiss

Die sperber in den basaltkrug umkrallen.

Eintritt er in des tages grossen kreis.

 

Um seiner lender bug und schweres weiss

Schlägt wildes haar von weibern ihm gefallen.

Sein blauer schatten flutet auf das eis

Das schwert der gott der tod von ihnen allen.

 

So sanft ist seines silberhelmes licht

Vom schatten dess sein graues auge sticht

Juwel und träger tiefer trunkenheiten.

 

Er hoffnungslos und wild fühlt nur die weiten,

Die steile not und jene scharfe spur

Tief in des weltalls steinernem azur.

 

 

 

 

 

 

 

 

Walter Wenghöfer                    Der schweigsame Ritter

1877 – 1918

Ich bin allein. Die Fackel nur

Quält müden Scheins die trüben Wände.

Die Schatten regen rege Hände.

Ich bin allein. Die Fackel nur

 

Scheint meines Herzens schwerem Schlagen.

Der Engel Schreiten will nicht ruhn,

sie gehen in schwarzen Flügelschuhn.

Mit meines Herzens schwerem Schlagen

 

Bin ich in dunkler Burg allein,

die felsenstumm und kuppelleer,

mein letztes Lager richt ich her.

 

Ich will von stummer Burg allein

Durch weite, leere Lande wallen,

durch weite wesenlose Hallen

 

 

 

 

 

 

Walter Wenghöfer                    Für Frau Hanna Wolfskehl

1877 – 1918

So traf auf mich – im Kahn der leise glitt

Auf dunklen Bogen Blumen bleicher Luft

Im Wasser matt gemalt – der leise litt

Auf mich Dein Lächeln wie man zage ruft,

 

und nun Dein Reden lieblich doch beschwert

von mildem Vorwurf zu mir niederdrang

hab ich mich lang dem Schatten zugekehrt

nun höre was ich bittend wiedersang:

 

Dir sei kein träumerisch Gewebe wert,

Du trage Reicheres in Deinem Haar

Und denke leis im Mond an Deinem Herd –

 

Nun fällt es um mich wie das falbe Jahr

Und hat den Tag mit Raunen mich gelehrt

Wie reinem Kranze es gewunden war.