1877 – 1918 In nächten da des
mondes müdigkeit
Vergebens singt durch böse
nebel-träume,
Da auf der dächer blaue
schweigsamkeit
Vergessen fällt wie schatten
toter bäume,
Da leise tönt des hauses hohle
wand
Vom trüben takt der tiefen
atemzüge
Und da vom stahl des lebens
langsam schwand
Der blinde hauch des ekels und
der lüge,
Da wird so leis der hoffnung
räder-rinnen
So fern und leis und leis wie
seidne säume
Am wunden fuss geschmückter pilgerinnen,
Die mit den schleppen schwerer
bunter träume
Mühselig lächelnd wirr und halb
von sinnen
Rastlos sich mühn in
dämmerferne räume.
1877 – 1918
In schmutz und müdigkeit
verglüht das rot der wände
Und das gemalte gold vergilbt
und bröckelt nieder,
Durch qualm und lärmen klirrt
der lampen glasgeglieder
Und auf den tischen tasten
fahle hände.
Und ein gespenstisches bild ist
unterm glas lebendig:
Der strasse trüber rausch glüht
durch die schwarzen scheiben,
Und stirnen, lächeln, gier,
missmut, geflüster treiben
In dampf und lichtern lass und
unbeständig.
Und vieler augen matt und
schwer gesenkte lider
Erheben dennoch sich von zeit
zu zeiten wieder:
Ob nichts den trüben lauf der
stunden endlich ende.
Doch keine antwort wird dem
zielentwöhnten schauen
Als nur der spiegel tiefes
räumeloses grauen
Und die verschwiegenheit der
immer gleichen wände.
1877 – 1918
Es ist nicht blässe jener
sanften hände
Die meines spiegels eisenrand umreift,
Nicht blässe die ein krankes
denken reift,
Und nicht der widerschein der
grünen wände.
Vielleicht die blässe und
vielleicht das ende
Der langen liebe die nicht mehr
begreift
Und wild um die geborstnen
lampen greift
Und schreit wie zierlich uns
der teufel blende.
Es ist die blässe das nun alles
starb –
Und dass im monde graue wasser
scheinen
Und dass von diesen lippen
leichenfarb
Kein schrei mehr gehen kann,
kein leises weinen,
Dass meiner maske bild aus
trübem zinn
Noch einsam fliesst und flüstert
dass ich bin.
1877 – 1918
Wir wollen leichten fusses
dieser zeit
Entgehn mit ihren städten die
zerfallen.
Lass uns den pfad gestrenger
einsamkeit
Der mahnend sich zur höhe
wendet wallen.
Er leitet uns auf rauher
windung weit
Indes vom felsgrat schatten
fallen.
Sand flisst ins meer und meer
in dunkelheit –
Im letzten licht will unser
schritt verhallen.
Hier ist die hütte!
harzgetränkt das holz
Die sie uns heilsam und
vertraulich macht.
Milchweisse hirsche liegen still
und stolz
Und blaue cedern steigen in die
nacht.
Tritt ein! Hier wollen wir zur
späten
Lichtlosen ruhe stumm und
lächelnd beten.
1877 – 1918
Im frühen seidene behänge
fallen.
Empor zur sonne schauen ernst
und heiss
Die sperber in den basaltkrug
umkrallen.
Eintritt er in des tages
grossen kreis.
Um seiner lender bug und
schweres weiss
Schlägt wildes haar von weibern
ihm gefallen.
Sein blauer schatten flutet auf
das eis
Das schwert der gott der tod
von ihnen allen.
So sanft ist seines
silberhelmes licht
Vom schatten dess sein graues
auge sticht
Juwel und träger tiefer
trunkenheiten.
Er hoffnungslos und wild fühlt
nur die weiten,
Die steile not und jene scharfe
spur
Tief in des weltalls steinernem
azur.
1877 – 1918
Ich bin allein. Die Fackel nur
Quält müden Scheins die trüben
Wände.
Die Schatten regen rege Hände.
Ich bin allein. Die Fackel nur
Scheint meines Herzens schwerem
Schlagen.
Der Engel Schreiten will nicht
ruhn,
sie gehen in schwarzen
Flügelschuhn.
Mit meines Herzens schwerem
Schlagen
Bin ich in dunkler Burg allein,
die felsenstumm und kuppelleer,
mein letztes Lager richt ich
her.
Ich will von stummer Burg
allein
Durch weite, leere Lande
wallen,
durch weite wesenlose Hallen
1877 – 1918
So traf auf mich – im Kahn der
leise glitt
Auf dunklen Bogen Blumen
bleicher Luft
Im Wasser matt gemalt – der leise
litt
Auf mich Dein Lächeln wie man
zage ruft,
und nun Dein Reden lieblich
doch beschwert
von mildem Vorwurf zu mir
niederdrang
hab ich mich lang dem Schatten
zugekehrt
nun höre was ich bittend
wiedersang:
Dir sei kein träumerisch Gewebe
wert,
Du trage Reicheres in Deinem
Haar
Und denke leis im Mond an
Deinem Herd –
Nun fällt es um mich wie das
falbe Jahr
Und hat den Tag mit Raunen mich
gelehrt
Wie reinem Kranze es gewunden
war.